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Veganuccis 7 Fragen an Gabriele Lendle

Wir stellen regelmäßig bekannten Veganerinnen und Veganern 7 Fragen zum veganen Lifestyle – Heute: Gabriele Lendle, vegane Kochbuchautorin des kürzlich erschienenen Buches „VEGAN international – Mit 115 veganen Rezepten um die Welt“. 

Veganucci: Liebe Frau Lendle, Sie sind ursprünglich aus gesundheitlichen Gründen zuerst Vegetarierin geworden und dann ganz auf vegan umgestiegen. Was hat sich dadurch bei Ihnen gesundheitlich verbessert und wie lange hat es gedauert?
Gabriele Lendle: Ich bin im Jahr 2000 an Rheuma erkrankt (entzündliche Polyarthritis und Weichteilrheuma). Ich wollte definitiv kein Kortison nehmen und bin daher zu einer Orthopädin, die auch die TCM (Traditionelle chinesische Medizin) praktiziert. Sie hatte mir die 5-Elemente-Ernährung empfohlen (in meinem Fall vegetarisch, ohne Fleisch und Fisch), was ich auch sofort umgesetzt habe, nachdem ich das von ihr empfohlene Buch gelesen habe.

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Von da an habe ich auch nur noch Bio-Produkte gegessen, keine Tiefkühlkost und keine Mikrowellenkost. Eine Mikrowelle hatte ich ohnehin nie gewollt und nie besessen. Die Ernährungsumstellung in Verbindung mit Akupunktur und chinesischen Kräutern brachte schon viel Erleichterung. Die Schübe kamen in größeren Abständen und waren wenn, dann auch nicht mehr so heftig schmerzhaft. Fasziniert von der Tatsache, was man mit bewusster Ernährung erreichen kann, habe ich mich von daher für alles interessiert, was mit gesunder Ernährung zu tun hat.

2002 habe ich die Vollwertkost nach Dr. Max Otto Bruker entdeckt, sofort ein Getreidemühle gekauft und von da an Mehl nur noch in Form von frisch gemahlenem Getreide verwendet. Bestandteile der 5-Elemente-Ernährung behielt ich bei. Bis 2010 konnte ich sehr gut damit leben, war aber nicht ganz gesund. Die Schübe wurden seltener, die Schmerzen weniger stark, ich hatte aber immer noch Rheumawerte im Blut.
Im Januar 2010 bekam ich aus heiterem Himmel einen Gichtanfall. Dr. Rüdiger Dahlke, dessen Fasten-Schweigen-Meditieren-Seminare ich seit dem 2 x jährlich besuche, fand meine Ernährung super, hat mir aber empfohlen mal 4 Wochen konsequent vegan zu leben. Also auch weg mit allen Milchprodukten und Eiern. Das habe ich gemacht und ich fühlte mich super! Leichter, fitter im Kopf, leistungsfähiger beim Sport, besserer Schlaf, usw. Das war meine Ernährung und ich blieb und bleibe dabei.
Je mehr ich mich mit vegan beschäftigte, desto klarer wurden mir auch die ethischen Motive, insbesondere wie wir mit den Tieren umgehen! Früher war mir das nicht in der Form bewusst. Allerdings hatte die Vollwertigkeit nach Dr. Bruker etwas gelitten. Ich ernährte mich quasi „Hauptsache vegan“ mit vielen Ersatzprodukten. Aber ich wurde – auch mit den weniger vollwertigen Ersatzprodukten – gesund! Ich hatte seither keinen Rheumaschub mehr, habe auch keine Rheumawerte mehr im Blut und hatte seither keinen Gichtanfall mehr!

Um auf die Frage zurückzukommen, wie lange es gedauert hat – über 10 Jahre! Aber ich bin eben auch viele Umwege gegangen. Hätte ich mich gleich vegan & konsequent vollwertig ernährt, wäre es wahrscheinlich schneller gegangen.

Im Nachhinein, insbesondere durch meine momentane Ausbildung zur ärztlich geprüften Gesundheitsberaterin beim GGB Lahnstein, muss ich allerdings auch feststellen und gestehen, dass ich die Vollwertkost nach Dr. Bruker nicht zu 100% und nicht konsequent in den vielen Jahren vor meinem Umstieg auf vegan durchgeführt habe. Ich habe auch die speziellen Ratschläge zum Thema Rheuma von Dr. Max Otto Bruker nicht beachtet, respektive gekannt. Mit der vitalstoffreichen (heute) tiereiweißfreien (nicht tierfettfreien) Vollwertkost nach Dr. Bruker und den speziellen Ratschlägen zum Thema Rheuma wäre eine Beschwerdefreiheit höchstwahrscheinlich auch in viel kürzerer Zeit möglich gewesen. Keine Frage! Aber auch meine intensive Seelenarbeit, insbesondere durch tägliche Meditationen hatte neben der Ernährung einen erheblichen Anteil an meiner Genesung. Davon bin ich überzeugt.

Veganucci: Wie sieht bei Ihnen ein ganz normaler Tag aus kulinarischer Sicht aus?
Gabriele Lendle: Seit etwa 1,5 Jahren esse ich morgens wieder das Herzstück der Brukerschen Vollwertkost: das Frischkorngericht. Entweder aus frisch geflocktem Getreide, gekeimten Getreide oder geschrotet und über Nacht eingeweicht) mit frischem Obst, Nüssen, Leinsamen geschrotet oder ganz, Hanfsamen, Cashewcreme… jeden Tag neu und anders, was der Garten, die Saison und der Bio-Markt hergibt.
Mittags verschiedenes Gemüse, Salat, meistens als Rohkost und mein selbstgebackenes Vollkornbrot – manchmal noch einen selbstgemachten Brotaufstrich.
Abends ist meine Hauptmahlzeit, da koche ich… da ich seit 2011 bereits 5 vegane Kochbücher geschrieben, kann ich sagen, dass es bei mir selten ein und dasselbe Gericht 2 x gibt. Es gibt Pasta, Pizza, Kartoffeln, Reis, Hirse… sehr gemüselastig, ab und zu aber auch Tofu, Seitan, Lupine…. Ich sehe diese Produkte nicht als Fleischersatz, sondern als eigenständige Produkte. Da ich 10 Jahre Vegetarier war, brauchte ich auch keinen Fleischersatz, weil mir Fleisch ohnehin nicht fehlte.

Veganucci: Worauf legen Sie bei Ihrer Ernährung besonders wert? Verraten Sie uns eins Ihrer Lieblingsrezepte?
Gabriele Lendle: Allem voran: abwechslungsreich!!
regional & saisonal & bio & vollwertige Lebens- und Nahrungsmittel

Zum Lieblingsrezept: Das werde ich oft gefragt. Ehrlich gesagt: Ich habe wirklich keines!
Als Kind hätte ich wie aus der Pistole geschossen geantwortet: Mamas Spätzle mit Soße, Käsekuchen und Vanillepudding…:-)
Am liebsten ist es mir, wenn ich mich Samstagmorgens auf dem Markt inspirieren lassen kann und dann zuhause was ganz Leckeres spontan kreieren kann. Je nach augenblicklicher Lust und Laune! Wenn ich soviel Zeit habe auch gerne mit selbst gemachten Nudeln in der Nudelmaschine.

Veganucci: Welche 3 Tipps würden Sie Neu-Veganern und allen, die über einen Umstieg zur veganen Ernährung nachdenken, geben?
Gabriele Lendle: 1. Den Umstieg zu 100 % vegan mit dem Ziel, das mal 4 Wochen auszuprobieren. Und dann schauen, wie es sich anfühlt…
2. Sich vor der Umstellung mittels Büchern zu informieren. Mein erstes Kochbuch „Ab jetzt VEGAN!“ kann dabei eine Hilfe sein. Dieses ist speziell für vegane Einsteiger gedacht. Vegane Kochbücher sind eine sehr gute Hilfe, das müssen nicht meine sein.
3. Die 7 Ernährungsregeln meines Co-Autors „Ab jetzt VEGAN!“ Dr. Ernst Walter Henrich beachten, wobei ich zum Thema Jodsalz eine differenzierte Meinung habe.
Und die Lektüre des Buches „Unsere Nahrung unser Schicksal“ von Dr. Max Otto Bruker.

Veganucci: Wie geht Ihr Umfeld mit Ihrer veganen Lebensweise um?
Gabriele Lendle: Ich habe schon viele von der veganen Lebensweise überzeugen können, wenn sie mich Löcher in den Bauch fragen….
Wer in meinem Umfeld nicht damit umgehen könnte, dass ich vegan lebe, passt nicht mehr in meinen Lebensweg. Ich toleriere schweren Herzens, wenn in meinem Freundes-, Bekannten- oder Kollegenkreis noch Fleisch, Fisch und Milchprodukte konsumiert werden, aber man muss auch bei mir tolerieren, dass ich es nicht konsumiere. Das klappt auch gut. Meine Freunde gehen mit mir auch gerne in vegane Lokale und sind begeistert, z.B. von Körle und Adam in Stuttgart, ein äußerst empfehlenswertes Lokal!

Veganucci: Kürzlich ist Ihr neues Kochbuch „Vegan International“ im Trias Verlag erschienen. Was erwartet die Leser darin und wovon haben Sie sich bei den Rezepten inspirieren lassen?
Gabriele Lendle: Bei Vegan International kommt einerseits meine Reiselust und Faszination für die Esskulturen anderer Länder zum Zuge, als auch gleichzeitig meine Intention, dass der Veganismus aus ethischer Sicht in Bezug auf die Klimakatastrophe, die Bekämpfung des Welthungers und der fürchterlichen Massentierhaltung nur Sinn macht, wenn sich der Veganismus weltweit verbreitet. So habe ich in VEGAN international aufgezeigt, wie andere Länder sowohl ihre traditionellen Gerichte zubereiten können, als auch mit ihren Gewürzen und landestypischen Zutaten neue vegane Kreationen zubereiten können. In VEGAN International habe ich also sowohl „veganisiert“, als auch neue landestypische Kreationen gezeigt. Ich habe  darauf geachtet, dass die Zutaten bei uns problemlos im Supermarkt, Bioladen oder ausnahmsweise auch mal im ASIA-Laden zu besorgen sind (z.B. Kaffir-Limettenblätter, diese habe ich im Super- oder Biomarkt noch nicht gefunden. Außerdem gibt es kein einziges Rezept mit Pflanzenmargarine. Pflanzenmargarine ist einerseits gesundheitlich nicht von Vorteil, außerdem werden für die Herstellung unzählig viele Orang Utans gequält und getötet. Pflanzenmargarine wird beim Backen entweder mit Sonnenblumenöl ersetzt oder mit selbstgemachter Cashewcreme.

Die Vollwertigkeit habe ich nebenbei so gut wie nur möglich integriert. So empfehle ich ja z.B. kein Auszugsmehl zu verwenden (die Rezepte klappen aber auch damit), sondern frisch gemahlenes Getreide oder eben handelsübliches Vollkornmehl. Bei Süßspeisen empfehle ich den Zucker durch selbst gemachten Dattelsirup zu ersetzen. In den Rezepten ist neben Dattelsirup, aber auch Zucker mit angegeben, für diejenigen die das wollen. In Rezepten aus USA gibt es auch mal Ahornsirup, weil dieser von dort kommt und in USA gerne zur Anwendung kommt. In VEGAN international stand das Thema Vegan international im Vordergrund und nicht die Vollwertigkeit. Aber ich habe versucht die Vollwertigkeit zu integrieren und auch die Verwendung von Fett so weit es eben möglich ist reduziert.

Veganucci: Woran arbeiten Sie? Was dürfen wir in Zukunft noch von Ihnen erwarten?
Gabriele Lendle: Nachdem ich wie eingangs erwähnt schon seit 2002 die Vollwertkost nach Dr. Bruker äußerst schätze, habe ich im Januar 2014 die Ausbildung zur ärztlich geprüften Gesundheitsberaterin beim GGB Lahnstein begonnen. „Hauptsache VEGAN“ ist nicht gesund, aber sicher wesentlich gesünder, als eine einseitige Ernährung mit Fleisch, Fisch, Eiern und allen Milchprodukten wie Käse, Milch, Sahne, Yoghurt, Quark…

Mein nächstes Buch wird daher auf jeden Fall noch vollwertiger, als es meine 5 bisher erschienenen veganen Kochbücher sind! Allerdings benötigt man dafür in jedem Fall eine Getreidemühle und einen Hochleistungsmixer, die in der Anschaffung teuer sind, sich aber auf Dauer lebenslang auszahlen. Viele dürften damit finanziell vielleicht überfordert sein, wenn sie neben einem Kochbuch noch teure Geräte anschaffen müssen. Wahrscheinlich werde ich auch sortenreines Saatgut, Hybride und Gentechnik zur Sprache bringen.
Menschen, die sich noch konventionell mit tierischen Produkten ernähren in Verbindung mit Weißmehlprodukten und Zucker, wären mit der veganen Vollwertkost von heute auf morgen aus meiner Sicht komplett überfordert. Das hat bei mir mit der Umstellung auf vegan auch seine Zeit gebraucht. Ich finde diese Zeit muss man auch jedem zugestehen und sollte sich auch jeder selbst geben. Neben der Ausbildung und Autorenschaft gebe ich auch vegane Kochkurse und halte ich Vorträge „VEGAN – Ihrer Gesundheit zuliebe!, wo ich natürlich auch die ethischen Aspekte der veganen Ernährung behutsam anspreche. Die Vorträge machen mir überraschend viel Spaß und finden auch großen Anklang. Hätte mich vor 2 Jahren jemand gefragt, ob ich vor 200 Leuten und mehr auf der Bühne mit Mikro stehe und einen Vortrag halten könnte, hätte ich geantwortet: „Niemals!!“ So entdeckt man manchmal eben Potentiale in sich, die man nie in sich vermutet hätte. Das wünsche ich allen Lesern hier auch … Wenn Sie noch nicht vegan leben, probieren Sie es einfach mal 4 Wochen aus und ich kenne fast niemand, der nicht dabei geblieben ist. Es ergeben sich auch sonst viele Änderungen, wie das eben üblich ist, wenn man seine Lebensweise ändert.

Hermann Hesse hat schon gesagt: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne! Dem kann ich nur zustimmen.
Oder Mahatma Gandhi: „Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir für die Welt wünscht“.

Weitere Informationen und aktuelle Termine finden Sie auch auf meiner Website www.gabriele-lendle.com.

Liebe Gabriele, vielen Dank für das Interview!

Foto: Lutz Ebert, www.le-design.net

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